Inhalt: © Erich Stauber
Neuer Dienst bei >MONA<
>MONA< steht als Kürzel für Mobile Organisation Notfallseelsorge & Anschlussdienste.
Der erste
und wichtigste dieser Anschlussdienste ist KID, der Kriseninterventionsdienst.
Seit Beginn des Projektes arbeiten
Notfallseelsorge (NfS) und KID harmonisch zusammen, ergänzen sich perfekt.
2007 z.B.
entfielen 107 Einsätze auf KID, 48 auf NfS. Seit Aufnahme des regulären Dienstes
im Jahr 1996 haben wir bereits eine Verbindung zu unseren muslimischen
Mitbürgern gepflegt, die sich allerdings auf Dolmetscher- und
Vermittlertätigkeiten beschränkte. Angestrebt wurde jedoch eine intensivere
Zusammenarbeit.
2007
endlich gelang uns der entscheidende Durchbruch: Auf Vermittlung unserer
3.Vorsitzenden des BRK-Kreisverbandes Kelheim, Frau Deborah Zinsser-Krys konnten
wir eine Konsolidierung dieser lockeren Verbindung erreichen. Vier Mitglieder
des türkisch-islamischen Vereins Kelheim erklärten sich nach reiflicher
Überlegung bereit, ehrenamtlich bei
>MONA<
mitzuarbeiten. Drei davon haben inzwischen den certifizierten KID-Kurs BRK BY
absolviert und stehen nun für Einsätze bereit. Die neue Gruppe arbeitet unter
dem Titel „birlik“,
was man am besten mit „Zusammenhalt“ übersetzt. Wir haben uns gemeinsam für
diesen Namen entschieden, weil wir mit der neuen Projektgruppe eine Brücke bauen
wollen zwischen Türken und Deutschen, zwischen Islam und Christentum, zwischen
türkischstämmiger und einheimischer Bevölkerung. So sind denn auch unsere
Mitarbeiter richtig „bayerische Türken“, die auch mit dem niederbayerischen
Dialekt zurechtkommen. Einfache, gestandene Familienväter Mitte 30, Anfang 40,
Schichtarbeiter, mit den Problemen des Alltags vertraut, jedoch tief verwurzelt
in ihrer Religion.
Drei von
ihnen bringen zudem Erfahrung als Vorsitzende des türkisch-islamischen Vereins
mit, sind also geübt im Umgang mit Menschen und gelten als Respektspersonen
innerhalb der türkischen Gemeinde. Sie sind in der Lage, bei Unglücksfällen
adäquat zu helfen, vor allem aber den religiösen Bedürfnissen ihrer Landsleute
gerecht zu werden. Man kann sie also, trotz ihrer speziellen Ausbildung Richtung
Krisenintervention, genau so gut der Notfallseelsorge zurechnen. Typisch
>MONA<
eben,
bilateral orientiert.
Mit
„birlik“
leisten wir wieder einmal Pionierarbeit auf dem Gebiet der psychosozialen
Notfallversorgung und setzen damit auch ein Zeichen für die Integration
ausländischer Mitbürger und die Coexistenz der großen Religionen in
unserem Land. Gerade jetzt, in einer Zeit allgemeiner Verunsicherung und
gegenseitigen Misstrauens ist dies zweifellos ein wichtiger Schritt.
Ihre
Feuertaufe hat die neue Gruppe übrigens bereits bestanden: nach einem
Verkehrsunfall auf der B 16 bei Lengfeld, bei dem ein türkischer Fahrer ums
Leben kam, leisteten unsere Helfer wertvolle Dienste zur Unterstützung der NfS
Regensburg, indem sie die Hinterbliebenen fachgerecht betreuten.
Möge
durch „birlik“die
Idee von
>MONA<
neuen
Auftrieb bekommen! Ich wünsche den Mitarbeitern unseres neuen Anschlussdienstes
vor allem anhaltende Motivation, Durchhaltevermögen und bei allen Einsätzen die
Gnade Allahs, so dass sie spüren, wie segenreich ihre Arbeit ist.
Übrigens:
als Zeichen der Verbundenheit und Wertschätzung gegenüber unseren türkischen
Freunden werden wir in Zukunft neben dem Zeichen des Roten Kreuzes auch das
Zeichen des Roten Halbmondes in
unserem Briefkopf führen.